Frühes Leben, Familie und Ausbildung
Schomer Lichtner wurde am 18. März 1905 in Peoria, Illinois, geboren. Im Kindesalter zog er nach Wisconsin – ein Ort, der sein späteres Leben und seine künstlerischen Sujets maßgeblich prägen sollte. Seine formale Ausbildung begann am Wisconsin State College of Milwaukee, wo er Kurse bei dem Maler Gustave Moeller besuchte. Auf der Suche nach weiterer Inspiration reiste er in die Metropole New York, um an der renommierten Art Students League zu studieren.
Schließlich kehrte er nach Wisconsin zurück, um seine Studien fortzusetzen. Zwei Jahre lang studierte er an der UW–Madison und arbeitete dabei eng mit dem Kunsthistoriker Oskar Hagen zusammen. Im Jahr 1929 schloss er sein Studium ab. 1934 heiratete er Ruth Grotenrath, eine ebenfalls schaffende Künstlerin. Das Paar führte ein Leben, das ganz um ihre kreativen Praktiken kreiste, und gemeinsam bekamen sie ein Kind, Peter Lichtner.
Stilistik und wiederkehrende Motive
In der Art und Weise, wie er eine Ballerina neben eine Holstein-Kuh stellte, liegt eine ganz eigene, spielerische Energie. Diese Gegenüberstellungen waren keineswegs zufällig; sie entsprangen seiner Zeit in der ländlichen Idylle von Washington County, Wisconsin, und seiner späteren Rolle als offizieller Künstler des Milwaukee Ballet. Er paarte diese Figuren oft mit wunderschönen Frauen, Blumen und stillen, ländlichen Landschaften. Sein Werk entwickelte sich hin zu einem expressionistischen Design, das durch kühne, flächige Farben und eine hohe Dynamik bestach, die zugleich geistreich und voller Vitalität wirkte.
Seine Kompositionen basierten häufig auf einem Gefühl von Bewegung und Leichtigkeit. Er hielt die Anmut der Tänzerinnen ebenso fest wie die schwere, gemusterte Präsenz der Milchkühe, wobei er beides bisweilen zu wunderlichen, phantastischen Szenen verschmolz. Dieser Ansatz ermöglichte es ihm, eine Vielzahl von Themen durch das Prisma hoher Energie und strukturierter Gestaltung zu erkunden. In seinem Spätwerk neigte er verstärkt zu diesen expressiven Elementen und bevorzugte kräftige Formen gegenüber subtilen Schattierungen.
- Winter Landscape (um 1940)
Mäzene, Atelier und Auftragsarbeiten
In der Mitte der 1930er Jahre fanden Lichtner und seine Ehefrau, Ruth Grotenrath, durch staatliche Kunstprogramme eine beständige Beschäftigung. Beide übernahmen Projekte für die Works Project Administration und bewältigten dabei die Anforderungen des Treasury Relief Art Project sowie des Public Works Art Project. Diese Zuweisungen führten sie oft in den öffentlichen Raum, wo ihre Kunst auf das tägliche Leben der Bürger traf. So schuf er unter anderem Wandgemälde für Postämter in Sheboygan, Wisconsin, und Hamtramck, Michigan.
Sein Wirkungskreis erstreckte sich jedoch weit über diese staatlich geförderten Rollen hinaus bis in den privaten und industriellen Sektor. Er malte Wandbilder für verschiedene Privatkunden sowie für die lokale Industrie. Ein solches Werk, das um 1955 vollendet wurde, war ein monumentales Wandgemälde, das die Industrie auf der Nordwestseite von Milwaukee darstellte. Dieses Werk mit seinen beeindruckenden Maßen von etwa 30 mal 10 Metern wurde schließlich von der M&I Bank der Kohler Foundation zur dauerhaften Erhaltung gespendet.
Technik und künstlerische Ausdrucksmittel
Lichtners künstlerische Hand fand in einer Vielzahl von Texturen ihren Ausdruck. Als Grafikünstler widmete er sich dem Holzschnitt, der Lithografie sowie dem Serigrafiedruck. In seinen kleineren Werken, wie etwa der Lithografie mit dem Titel „Winter Silhouettes“, wird das Papier selbst zu einem integralen Bestandteil des Bildes. Die körnige Struktur des Papiers erzeugt die Illusion von windgepeitschtem Schnee oder einem von Tieren zerfurchten Boden. Er nutzte das reine Weiß des Papiers meisterhaft, um den Untergrund zu suggerieren, wodurch die Vegetation beinahe aus der Leere heraus zu erwachen scheint.
In seiner Malerei griff er häufig auf Casein und Acryl zurück. Diese Medien nutzte er sowohl für die Darstellung der ländlichen Landschaften Wisconsins als auch für seine charakteristischen Motive der Bauernhoftiere. Seine Herangehensweise an die Form zeichnet sich durch eine ganz besondere Leichtigkeit aus, die sich besonders in der Gestaltung seiner Strichfiguren widerspiegelt. In seinen Kompositionen findet oft ein wunderbares Gleichgewicht statt: Die massive, erdige Präsenz von Milchkühen kontrastiert mit den zarten, fließenden Linien der Tänzerinnen. Darüber hinaus experimentierte er mit lackiertem Stahl, was in seiner Skulptur Dancing Through Life deutlich wird, in der eine Ballerina auf einer farbenfrohen Kuh thront.
Späte Jahre und Tod
Die letzten Jahrzehnte seines Lebens waren geprägt von einer beständigen Präsenz innerhalb der akademischen und lokalen Kunstszene. Zwischen 1960 und 1969 gab er sein Wissen an Studierende der University of Wisconsin–Milwaukee weiter und unterrichtete dort sowohl Malerei als auch Zeichnen. Selbst im fortgeschrittenen Alter blieben seine Hände voller Tatkraft. Er schuf unaufhörlich neue Kunstwerke und blieb voll und ganz in die Rhythmen des täglichen Lebens eingebunden, bis ihn ein Sturz nur eine Woche vor seinem Ableben ereilte.
Am 9. Mai 2006 verstarb er im Alter von 101 Jahren in seinem eigenen Zuhause in Milwaukee, Wisconsin. Sein Tod markierte das Ende eines langen, erfüllten Lebens, das er gemeinsam mit seiner Ehefrau Ruth Grotenrath in den kreativen Kreisen dieser Stadt verbracht hatte.
Wo man seine Werke heute bewundern kann
Seine Gemälde und Drucke haben in zahlreichen Institutionen über die gesamten Vereinigten Staaten hinweg ein dauerhaftes Zuhause gefunden. In Washington, D.C. wird sein Werk vom Smithsonian American Art Museum bewahrt. Wenn man sich weiter in den Mittleren Westen begibt, spürt man seine künstlerische Präsenz im Milwaukee Art Museum und im Racine Art Museum. Diese Sammlungen beherbergen Werke, die sein langjähriges Engagement für die Landschaften und Gestalten dieser Region widerspiegeln.
Weitere Orte, die sein künstlerisches Erbe bewahren, sind das Chazen Museum of Art und das Museum of Wisconsin Art. Auch im John Michael Kohler Arts Center findet man seine Arbeiten. Aufgrund seiner engen Verbundenheit mit der lokalen Tanzszene lässt sich seine Bildsprache zudem in den Sammlungen der Milwaukee Ballet Company wiederfinden. All diese verschiedenen Orte bewahren das visuelle Zeugnis seines Lebenswerks.
Fragen & Antworten
Welche Kunstwerke von Schomer Lichtner werden am häufigsten aufgerufen?
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In welchen Stilrichtungen war Schomer Lichtner tätig?
Die Stilrichtungen, in denen Schomer Lichtner tätig war, finden Sie auf der Alle Stilrichtungen-Seite des Künstlers, auf der die Kunstwerke nach Stilrichtung gruppiert sind.
