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Josef Lewinsky als Carlos
Format der Reproduktion
Gustav Klimts Gemälde „Josef Lewinsky als Carlos in Clavigo“ aus dem Jahr 1895 ist weit mehr als eine bloße Porträtzeichnung eines Wiener Theaterschauspielers. Es entfaltet sich als ein traumhaftes, symbolträchtiges Tableau, das die Welt des Theaters, der Erinnerung und der künstlerischen Inspiration auf subtile Weise vereint. Das Werk, entstanden im Kontext der Wiener Sezession, ist ein faszinierendes Beispiel für Klimts einzigartiger Stil – eine Synthese aus Symbolismus, Art Nouveau und einer tiefen Sensibilität für Licht und Farbe.
Im Zentrum des Bildes steht Josef Lewinsky selbst, der als Don Carlos in Goethes Tragödie „Clavigo“ brillierte. Er ist nicht als realistischer Schauspieler dargestellt, sondern vielmehr als eine Art Allegorie – ein Mann, der von der Vergangenheit und den Erinnerungen an seine Rolle durchdrungen ist. Klimt fängt diese innere Welt mit einer meisterhaften Verwendung von Farben und Formen ein. Lewinsky, gekleidet in einen dunklen Anzug, dominiert das Bild, sein Gesicht leicht zur linken Seite gedreht, wirkt sowohl kraftvoll als auch melancholisch.
Klimt bedient sich hier der expressiven Möglichkeiten des Symbolismus. Das Gemälde ist von einer fast mystischen Atmosphäre durchzogen, die durch den Einsatz von Goldfarben und weichen, diffusen Lichtverhältnissen verstärkt wird. Diese goldene Palette, ein charakteristisches Merkmal Klimts „Goldener Phase“, verleiht dem Bild eine Aura von Luxus, Transzendenz und Vergänglichkeit. Die Verwendung von Gold ist nicht nur dekorativ; sie symbolisiert Erinnerung, Wert und die ewige Natur der Kunst.
Um Lewinsky herum entfaltet sich eine surreale Landschaft aus schemenhaften Figuren und ornamentalen Elementen. Diese Elemente sind nicht einfach nur Hintergrund, sondern tragen aktiv zur Bedeutung des Bildes bei. Die drei Gestalten – ein lebendes Wesen, eine Maske und eine Statue – stehen für die verschiedenen Facetten der Erinnerung und des Theaters: das Lebendige, das Vergangene und das Ideal. Die goldfarbenen Akzente, die an Blattgold erinnern, verstärken diesen Eindruck von Opulenz und spiritueller Bedeutung.
Klimt arbeitete in diesem Gemälde mit Öl auf Leinwand, wobei er seine charakteristische Pinseltechnik einsetzte – lockere, impressionistische Ströße, die eine subtile Textur erzeugen. Die Verwendung von Schattierungen und Lichteffekten verleiht dem Bild eine besondere Tiefe und Lebendigkeit. Das Gemälde wurde im Auftrag des Burgtheaters in Wien entstanden, als Illustration für ein Buch über die Geschichte des Wiener Theaters. Es ist ein Zeugnis der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Welt des Theaters und der Rolle des Künstlers darin.
Die Stoclet-Fassade in Brüssel, an der Klimt ebenfalls arbeitete, zeigt ähnliche Anzeichen von seinem Einfluss auf die Architektur. Die Verbindung zwischen Kunst und Architektur ist ein zentrales Thema in Klimts Werk. Das Gemälde „Josef Lewinsky als Carlos“ ist somit nicht nur ein Porträt eines Schauspielers, sondern auch eine Meditation über die Natur der Erinnerung, die Macht des Theaters und die Schönheit der künstlerischen Darstellung.
1862 - 1918 , Österreich