William Bligh
William Bligh (9 September 1754 wahrscheinlich in Plymouth; † 7. Dezember 1817 in London) war ein britischer Seeoffizier und Gouverneur von New South Wales in Australien. Bekannt wurde er vor allem durch die gegen ihn gerichtete Meuterei auf der Bounty und durch seine darauf folgende 3618 Seemeilen (6701 km) lange Fahrt im offenen Boot von den Gewässern um Tonga im Westen Polynesiens bis zur Insel Timor im Jahr 1789. Ein weiteres Mal machte er 1808 von sich reden, als sein Vorgehen gegen korrupte Offiziere der Sträflingskolonie Neusüdwales die Rum-Rebellion auslöste.
Herkunft und Familie
Bligh entstammte einer alten Seefahrerfamilie. Sein Vater Francis Bligh und dessen Frau Jane Pearce leiteten das Zollamt der südwestenglischen Hafenstadt Plymouth. Wahrscheinlich wurde er in der Stadt geboren, in deren St. Andrews Church er am 4. Oktober die Taufe empfing. Andere Quellen nennen auch Tyntan Manor, den Landsitz der Blighs im Dorf St. Tudy bei Bodmin in Cornwall, als Geburtsort. Seine Familie hatte tief verwurzelte Wurzeln und eine besondere Verbindung zum Meer – ein Faktor, der seinen frühen Interessen und seinem späteren Lebensweg prägte.
Karriere als Seeoffizier
Vermutlich ging Bligh schon im Alter von sieben Jahren zur See, als Captain’s Servant (Kapitänsdiener) auf der Monmouth. Seine ersten nachgewiesenen Erfahrungen als Seemann sammelte er mit 15 Jahren, zunächst als Able Seaman (Vollmatrose), dann als Midshipman (Seekadett) auf der Hunter. Mit 21 Jahren erhielt Bligh die Chance, als Master (Steuermann bzw. Navigator) der Resolution an James Cooks dritter Südsee-Expedition von 1776 bis 1780 teilzunehmen. Die Seekarten und Aufzeichnungen, die er bei dieser Gelegenheit anfertigte, waren von derart hoher Genauigkeit, dass einige davon noch im 20. Jahrhundert verwendet wurden. Bligh war am 14. Februar 1779 Augenzeuge von Cooks gewaltsamem Tod auf Hawaii. Anschließend führte er die Resolution im weiteren Verlauf der Expedition nach Kamtschatka, in die Beringstraße und zurück nach England, wo sie am 6. Oktober 1780 eintraf. Er zeichnete sich durch außergewöhnliche Fähigkeiten und eine beeindruckende Leidenschaft für Navigation aus und trug maßgeblich zum wissenschaftlichen Fortschritt bei. Nach seinem ersten großen Erfolg heiratete Bligh am 4. Februar 1781 auf der Isle of Man Elizabeth Betham, die Tochter eines Zolleinnehmers. Im selben Jahr wurde er zum Lieutenant (Kapitänleutnant) ernannt, dem damals niedrigsten britischen Seeoffiziersrang. Als solcher nahm er in den folgenden zwei Jahren am Seekrieg gegen die Niederlande, Frankreich und Spanien teil, die alle die USA in ihrem Unabhängigkeitskrieg mit Großbritannien unterstützten. Bligh kämpfte im Sommer 1781 in der Schlacht auf der Doggerbank und 1782 bei der Verteidigung von Gibraltar. Nach dem Frieden von Paris nahm er 1783 seinen Abschied von der Marine und befehligte vier Jahre lang ein Handelsschiff, das im Rum- und Zuckerhandel zwischen England und Westindien verkehrte. Dabei lernte er Fletcher Christian kennen, den späteren 2. Offizier der Bounty und Anführer der Meuterer. Beide verband anfangs eine enge Freundschaft.
Die Bounty-Expedition und Mutiny
Auf Betreiben seines Förderers, des Naturforschers Sir Joseph Banks, kehrte Bligh 1787 in den Dienst der Admiralität zurück und erhielt das Kommando über HMAV (His Majesty’s Armed Vessel) Bounty. Das Schiff sollte Ableger des Brotfruchtbaums von Tahiti zu den Westindischen Inseln bringen, um die dortigen Zuckerrohr-Pflanzer mit einem billigen Nahrungsmittel für ihre Sklaven zu versorgen. Die Verhältnisse an Bord waren äußerst beengt. Die Besatzung wurde von ursprünglich geplanten 29 auf 46 Mann aufgestockt, und die Kapitänskajüte wurde zu einem Gewächshaus umgebaut. Aus Kostengründ wurde eine besondere Aufmerksamkeit für wissenschaftliche Beobachtungen und Sammlungen geleistet. Allerdings begannen sich schnell Spannungen zwischen Bligh und seinem zweiten Offizier Fletcher Christian sowie anderen Crewmitgliedern aufzubauen – Spannungen, die durch Blighs autoritäre Führung und harte Disziplin verstärkt wurden. Am 28. April 1789 erlitt eine dramatische Meuterei aus, als ein Teil der Mannschaft sich gegen Bligh auflehnte und ihn sowie acht loyale Männer in einem kleinen Ausschiffungsschiff abbandonierte – ein Erlebnis von außergewöhnlicher Intensität und Bedeutung für die Geschichte der Seefahrt. Diese Ereignisse prägten seinen Ruf und seine Erinnerung für immer.
Governor of New South Wales und Rum Rebellion
Nach der Bounty-Meuterei wurde Bligh 1806 Gouverneur von New South Wales ernannt, wobei er eine Kolonie übernahm, die durch Korruption und politische Konflikte geprägt war. Er setzte sich mit Entschlossenheit für Reformen ein und insbesondere für die Bekämpfung des Rumhandels ein – Maßnahmen, die zu einer kurzen aber bedeutenden Aufstand gegen seine Autorität führten, bekannt als Rum-Rebellion. Diese Rebellion wurde jedoch schnell niedergeschlagen und Blighs Amtszeit endete abrupt. Trotz juristischer Herausforderungen blieb sein Einfluss und sein Beitrag zur Entwicklung Australiens bestehen. Er starb am 7. Dezember 1817 in London und hinterließ eine beeindruckende Lebensgeschichte, die bis heute fasziniert und inspiriert. Sein Leben wird für seine außergewöhnliche Führungsstärke und seinen Mut zu einem außergewöhnlichen historischen Ereignis geprägt.