Thomas Bardwell: Ein Meister des englischen Rokoko und Pionier der Perspektivlehre
Thomas Bardwell (geboren um 1704, gestorben 1767) war ein englischer Maler, Kunstkopist und Schriftsteller, dessen Werk insbesondere für seine prächtigen Porträts und sein bedeutendes Beitrag zur Entwicklung der europäischen Perspektivkunst bekannt ist. Seine künstlerische Tätigkeit fand ihren Ausgang in Bungay, Suffolk, wo er zunächst als Dekorationsmaler für das Familienunternehmen tätig war und damit frühzeitig einen Namen machte.
Bardwell etablierte sich schnell als angesehener Künstler und zeichnete sich durch eine außergewöhnliche technische Fertigkeit aus. Er begann seine Karriere mit dekorativen Gemälden für Häuser und öffentliche Gebäude und entwickelte dabei einen besonderen Fokus auf die Darstellung von Personen und Gruppen im Stil des Rokoko – einer Epoche, die durch ihre elegante Verschönerung und ihren Umgang mit Licht und Farbe geprägt war. Besonders beeindruckend sind seine frühen Konversationsbilder aus dem Jahr 1736, darunter eines Werkstücks über die Familie Brewster in Beccles, das heute im Geffrye Museum zu sehen ist und einen wichtigen Einblick in die künstlerischen Vorlieben seiner Zeit bietet.
Ein entscheidender Wendepunkt in Bardwells Leben und Werk war seine Zusammenarbeit mit der Artillery Company in Norwich (1746). Diese Aufgabe ermöglichte ihm nicht nur eine bedeutende Förderung durch den Staat, sondern auch die Erstellung eines außergewöhnlichen Gemäldes über William Crowe, dessen Bürgermeisteramt er später erhielt – ein Ereignis, das Bardwell als ersten Vertreter einer neuen Tradition der Stadtporträts etablierte und somit einen wichtigen Beitrag zur Kunstgeschichte Norwichs leistete. Insgesamt entstanden neun Porträts von Bardwell in St Andrew’s Hall und prägten damit den öffentlichen Raum dieser Stadt nachhaltig.
Bardwells künstlerische Entwicklung fand ihren Höhepunkt in London während der Jahre 1740 und 1750, wo er zahlreiche Aufträge erhielt und insbesondere sein Werk „Joshua Ward Receiving Money from Britannia“ hervorstach – eine allegorische Darstellung eines renommierten londinischen Arztes, die mit Symbolen von Großbritannien und Großzügigkeit ausgestattet ist und eine Gruppe von Patienten zeigt. Dieses Gemälde befindet sich heute im Besitz der Royal College of Surgeons und wurde einst im Parlour von Ward’s Haus in Whitehall aufhängen – ein beeindruckendes Beispiel für Bardwells Fähigkeit zur Darstellung komplexer Themen und gesellschaftlicher Werte. Eine prächtige Kupferätzung nach diesem Werk stammt aus dem Jahr 1748-9 und wurde vermutlich von Bernard Baron erstellt.
Neben seinen künstlerischen Leistungen engagierte sich Bardwell auch intensiv in der Wissenschaft und veröffentlichte im Jahr 1756 ein umfassendes Werk über die Praxis der Malerei und Perspektive, das er „Die Kunst der Malerei und Perspektive leicht gemacht“ titelte und dem Earl of Rochford widmete. Dieses Buch gilt als eines der besten Beispiele für die europäische Perspektivlehre seiner Zeit und wurde von Edward Edwards im Jahr 1808 gelobt – obwohl Edwards Bardwell generell als Künstler nicht besonders hoch einschätzte. Er lobte insbesondere die Anleitung zur Perspektive und bestätigte damit die Bedeutung dieses Werkes für die Ausbildung junger Künstler. Eine zweite Auflage erschien bereits im Jahr 1773 und unterstreicht weiterhin Bardwells Einfluss auf den künstlerischen Diskurs seiner Zeit.
Bardwell hinterließ ein bedeutendes künstlerisches Erbe und wird bis heute als einer der wichtigsten Vertreter des englischen Rokoko und Pionier der Perspektivlehre gefeiert – eine außergewöhnliche Leistung für einen Künstler seiner Zeit und ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung der europäischen Kunstgeschichte.