Leben und Ursprünge
- Name: Simone Cantarini (auch bekannt als Simone da Pesaro, il Pesarese)
- Geboren: 21. August 1612 in Pesaro, Italien
- Gestorben: 15. Oktober 1648
- Herkunft: Pesaro, Marche Region, Kirchenstaat (heute Teil von Italien)
- Familienhintergrund: Sein Vater, Girolamo Cantarini, war ein angesehener Kaufmann.
- Frühes Leben: Über seine frühen Kindheit und sein Familienleben ist wenig bekannt, abgesehen von seinem Vaters Beruf.
Ausbildung und künstlerische Entwicklung
- Anfängliche Ausbildung (ca. 1623-1625): Begann wahrscheinlich bei Giovanni Giacomo Pandolfi in Pesaro und lernte dort grundlegende Techniken und den lokalen Kunststil.
- Venedig-Periode: Eine Reise nach Venedig führte ihn zur späten venezianischen Manierismus unter Sante Peranda und vermittelte ihm Zeichenfähigkeiten von Francesco Mingucci.
- Einfluss von Claudio Ridolfi (ca. 1625-1629): Studierte bei Claudio Ridolfi, wobei er den venezianischen Stil und die Wertschätzung für Federico Baroccis Werk aufnahm. Diese Periode war entscheidend für die Gestaltung seiner frühen künstlerischen Vision.
- Selbststudium & Einflüsse: Nach Ridolfis Abreise lehrte sich Cantarini weitgehend selbst und studierte Werke von den Carracci, Federico Barocci, Orazio Gentileschi und Giovanni Francesco Guerrieri.
- Einfluss von Guido Reni (ca. 1634 onwards): Ein entscheidender Moment war die Begegnung mit Guidos Renis *Madonna und Kind mit Heiligen Thomas und Hieronymus* in der Pesaro Kathedrale. Dies führte zu einer Zeit des Studiums unter Reni in Bologna, die seinen Stil maßgeblich beeinflusste.
- Bologna-Periode (ca. 1634-1639): Trat Guidos Renis Atelier in Bologna bei, wo er seine Fähigkeiten im Radiertechnik verfeinerte und eine unverwechselbare künstlerische Stimme entwickelte. Es kam jedoch zu Spannungen mit Reni aufgrund von Cantarinis unabhängigem Geist und Kritik an dem späteren Stil des Meisters.
Hauptwerke und künstlerischer Stil
- Frühe Meisterwerke: *St. Peter heilt den Gelähmten* (Fano) demonstrierte frühe Einflüsse von Guido Reni.
- Bemerkenswerte Gemälde:
- Die Unbefleckte Empfängnis mit Heiligen (Pinacoteca Nazionale di Bologna)
- Santa Rita von Cascia (Pesaro)
- Allegorie der Malerei (Nationalmuseum, Warschau)
- Radierungen: Cantarini war ein hochqualifizierter Radierer und bekannt für die Zartheit und Leuchtkraft seiner Drucke. Er fertigte zahlreiche Radierungen nach Werken von Reni und anderen an.
- Künstlerischer Stil: Sein Stil vereinte Bolognesischen Klassizismus mit einem kühnen Naturalismus, wobei Elemente aus venezianischem Manierismus und Caravaggismo integriert wurden. Er zeichnete sich durch lebendige Farben, dynamische Kompositionen und ausdrucksstarke Figuren aus.
Historische Bedeutung und Vermächtnis
- Einzigartige künstlerische Stimme: Cantarini entwickelte eine unverwechselbare künstlerische Stimme, die ihn von seinen Zeitgenossen unterschied. Seine Fähigkeit, vielfältige Einflüsse zu einem kohärenten Stil zu synthetisieren, machte ihn zu einer bedeutenden Figur in der italienischen Barockkunst.
- Radier-Expertise: Er wird besonders für seine außergewöhnlichen Radierfähigkeiten erinnert, die wesentlich zur Entwicklung von Drucktechniken im 17. Jahrhundert beitrugen.
- Komplexe Persönlichkeit und Reputation: Sein Ruf wurde etwas getrübt durch sein angespanntes Verhältnis zu Guido Reni und Berichte über einen skandalösen Tod in Mantua, aber diese Geschichten schmälern nicht seine künstlerischen Beiträge.
- Einfluss auf spätere Künstler: Obwohl er nicht so weit gefeiert wurde wie einige seiner Zeitgenossen, beeinflusste Cantarinis Werk spätere Generationen italienischer Künstler durch seinen innovativen Stil und seine technische Meisterschaft.
Spätere Jahre und Tod
- Rückkehr nach Pesaro (1639): Nach seinem Weggang aus Bologna kehrte er in seine Heimatstadt Pesaro zurück.
- Kontroverse Beziehungen: Er hatte Beziehungen zu lokalen Frauen und zeugte Kinder außerhalb der Ehe, was soziale Probleme in Pesaro verursachte.
- Tod in Mantua (1648): Cantarini starb in Mantua unter mysteriösen Umständen, möglicherweise durch Vergiftung infolge einer Auseinandersetzung über die Gonzaga-Sammlung.


