Frühes Leben und Ausbildung
- Geboren: Paris, Frankreich am 18. Januar 1674 und drei Tage später getauft.
- Familiärer Hintergrund: Sein Vater, Nicolas Tardieu, war Kesselschmied, ebenso wie seine beiden jüngeren Brüder. Es wird vermutet, dass der junge Nicolas-Henri möglicherweise Kupferabfälle aus der Werkstatt seines Vaters für frühe Übungen im Stechen nutzte.
- Künstlerische Ausbildung: Er studierte bei bedeutenden Stechern, darunter Pierre Lepautre, Gérard Audran und Benoit Audran, wodurch er eine solide Grundlage in den Techniken des Handwerks legte.
Karriere als ‘Graveur du Roi’ und künstlerischer Stil
- Königliche Ernennung: Tardieu erlangte große Anerkennung, als er am 29. November 1720 zum *graveur du roi* (Königlicher Stecher) von König Ludwig XV. ernannt wurde. Diese prestigeträchtige Position festigte seinen Status als einer der wichtigsten Stecher Frankreichs.
- Reproduktionsstiche: Er erlangte vor allem durch seine sensiblen und geschickten Reproduktionen von Gemälden, insbesondere von Antoine Watteau, große Bekanntheit. Seine Stiche fingen die zarte Atmosphäre und den Rokoko-Geist von Watteaus Werk mit außergewöhnlicher Genauigkeit ein.
- Auftragsarbeiten: Als gefragter Stecher erhielt Tardieu Aufträge für Platten, die in wichtigen Publikationen wie der Crozat Collection und der Galerie de Versailles verwendet wurden.
- Künstlerische Prinzipien: Er hielt an traditionellen Stechprinzipien fest und lehnte aufkommende Trends hin zu weniger ernsten Themen ab. Er war bestrebt, diese Werte seinen Schülern weiterzugeben.
Familienvermächtnis und Einfluss
- Ehen & Familie: Tardieu heiratete zweimal: zuerst Louise-Françoise Aveline im Jahr 1706 und dann Marie-Anne Horthemels im Jahr 1712. Marie-Anne war ebenfalls eine begabte Stecherin.
- Dynastie der Stecher: Nicolas-Henri und Marie-Anne Tardieu hatten zahlreiche Nachkommen, die zu bedeutenden Künstlern wurden, hauptsächlich als Stecher, und so ein bleibendes Familienvermögen in der Kunstwelt schufen.
- Bemerkenswerte Schüler: Er unterrichtete Jacques-Nicolas Tardieu (der ebenfalls *graveur ordinaire du roi* wurde), seinen Neffen Pierre François Tardieu sowie andere bedeutende Stecher wie Bernard Baron, Laurent Cars und Jacques-Philippe Le Bas in der Kunst des Stechens. Sein Einfluss erstreckte sich über Generationen von Künstlern.
Hauptwerke und historische Bedeutung
- Wichtige Stiche: Zu seinen berühmtesten Drucken gehören Reproduktionen von Watteaus *Champs Élysées* und *Einschiffung nach Kythera*, die für ihre Fähigkeit gelobt werden, die “silbrige” Qualität der Originalgemälde beizubehalten.
- Weitere bedeutende Werke: Er fertigte auch Porträts, klassische Motive und religiöse Szenen an. Beispiele sind Stiche von Marc-René de Voyer de Paulmy, d'Argenson und Darstellungen aus Domenichinos Werken.
- Bleibender Einfluss: Nicolas-Henri Tardieu wird als einer der bedeutendsten Stecher des 18. Jahrhunderts in Frankreich in Erinnerung behalten. Seine technische Fertigkeit, sein Engagement für traditionelle Techniken und sein Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen sicherten ihm einen Platz in der Kunstgeschichte. Sein Werk bietet wertvolle Einblicke in den künstlerischen Geschmack und die visuelle Kultur der Rokokozeit.
- Porträtmalerei: Jean-Baptiste van Loo malte ein Porträt von Tardieu, das in den Galerien von Versailles ausgestellt wurde, was seine Bedeutung weiter unterstrich.


