Nádia Taquary: Echoes of the Sacred and Ancestral
Geboren in Salvador, Brasilien, im Jahr 1967, ist Nádias künstlerische Reise tief in ihre afrobrasilianische Erbschaft verwurzelt. Ihre Kindheit in Bahia, einer Region, die von der Legende afrikanischer Traditionen und kolonialer Geschichte geprägt ist, formte ihre kreative Vision maßgeblich. Anfangs studierte sie Literatur und Pädagogik – ein scheinbar gegensätzlicher Weg, der sich letztendlich darin manifestierte, dass sie ihren einzigartigen Ansatz informierte. Nádias künstlerische Praxis entstand aus einer tiefen Auseinandersetzung mit dem Heiligen, den Erzählungen der Ahnen und der widerstandsfähigen Kraft schwarzer Frauen in der brasilianischen Kultur.
Nádias formale Ausbildung umfasste einen Masterabschluss in Pädagogik, Ästhetik, Semiotik und Kultur an der Universidade Federal da Bahia (UFBA), der ihr ein fundiertes theoretisches Gerüst für die Erforschung der komplexen Wechselwirkungen von Identität, Religion und künstlerischem Ausdruck lieferte. Diese akademische Grundlage, kombiniert mit ihrer Lebenserfahrung in Salvador’s lebendigem kulturellen Umfeld – einer Stadt, die für ihre reiche afrobrasilianische Tradition bekannt ist, einschließlich des Candomblé-Religions und der Nachwirkungen versklavter Afrikaner – bildet das Fundament ihrer Arbeit.
Die Sprache der Form: Materialien und Symbolik
Nádias künstlerische Sprache zeichnet sich durch eine bewusste und suggestive Verwendung von Materialien aus. Sie setzt häufig Bronze ein, wobei sie auf alte afrikanische Metallbearbeitungstechniken zurückgreift und gleichzeitig Skulpturen mit einer zeitgenössischen Sensibilität versehen. Neben Bronze verwendet sie Elemente wie Gold, Silber, Muscheln, Stroh, Perlen und wiederverwertetes Holz – oft aus abgetragenen Kolonialstrukturen –, die jeweils Schichten historischer und kultureller Bedeutung tragen. Diese Materialien werden nicht nur wegen ihrer ästhetischen Qualitäten ausgewählt; sie werden sorgfältig so gewählt, dass sie mit den Erzählungen resonieren, die sie vermitteln möchte.
Im Zentrum von Nádias Arbeit steht eine tiefe Auseinandersetzung mit Symbolik, insbesondere aus afrobrasilianischen religiösen Traditionen. Sie bezieht sich häufig auf *Orishas* – die Götter des Yoruba-Ursprungs – und ihre zugehörigen Ikonografie. Ihre Skulpturen stellen diese göttlichen Figuren oft in dynamischen Posen dar, die mit Macht und Anmut durchdrungen sind, während sie gleichzeitig traditionelle Verzierungen wie *Balangandãs* – aufwendige Taille-Ornamente, die von schwarzen Frauen während der Kolonialzeit getragen wurden – wiederholen. Diese Stücke waren Symbole für Stärke, Fruchtbarkeit und spirituelle Verbindung und spiegelten die Agency und Widerstandsfähigkeit versklavter afrikanischer Frauen wider.
Erforschung afrobrasilianischer Erbes und ancestraler Verbindungen
Nádias künstlerische Erkundung geht über bloße Repräsentation hinaus; es ist ein bewusstes Unterfangen der Rückgewinnung und Neubewertung. Ihre Arbeit zielt darauf ab, die oft verstummen Geschichten schwarzer Frauen in der brasilianischen Gesellschaft zu ehren, ihre entscheidende Rolle bei der Gestaltung religiöser Traditionen, dem Bewahren kulturellen Wissens und dem Aufrechterhalten spiritueller Verbindungen zu ancestralen Wurzeln hervorzuheben. Sie untersucht das komplexe Zusammenspiel zwischen afrikanischer Kosmologie und brasilianischem Synkretismus und enthüllt, wie diese vielfältigen Einflüsse sich zu einer einzigartig lebendigen künstlerischen und spirituellen Landschaft verbunden haben.
Beeinflusst von ihrem Familienhintergrund – insbesondere durch die Schmuckstücke, die sie von ihrer Großmutter erworben hat – begann Nádia mit der Erforschung der Geschichte afrobrasilianischer Verzierungen. Diese Forschung führte sie zu einer Auseinandersetzung mit der Semiotik afrikanischer und brasilianischer religiöser Kultur sowie mit Diaspora-Ästhetiken, Agency und *Orishá*-Legenden. Ihre Arbeit spiegelt ein tiefes Verständnis für kulturelle Erinnerung wider und stellt kolonialen Erzählungen Herausforderungen und feiert die dauerhafte Stärke der schwarzen Identität.
Erkennung und Vermächtnis
Nádias künstlerische Vision hat sowohl in Brasilien als auch international Anerkennung gefunden. Ihre Werke wurden in renommierten Galerien und Museen wie Galeria Leme und Galerie Agnès Monplaisir ausgestellt und festigten ihre Position als eine führende Stimme der zeitgenössischen afrobrasilianischen Kunst. Insbesondere werden ihre Stücke dauerhaft in den Sammlungen von Institutionen wie dem Museum für moderne Kunst von Bahia (MAM-BA), der Pinacoteca de São Paulo, dem Pérez Art Museum Miami – PAAM, dem Rio Art Museum – MAR und dem Museum of Arts and Design – MAD aufbewahrt, was ihren dauerhaften Wert und ihre Wirkung unterstreicht.
Kürzliche Ausstellungen unterstreichen Nádias kontinuierliche Auseinandersetzung mit ihrem Thema. Sie war in der 24. Sydney Biennial (2024) vertreten, präsentierte eine Soloshow “Ònà Irin: caminho de ferro” im Rio Art Museum (MAR) im Jahr 2024 und wird weiterhin für ihre kraftvolle Erforschung afrobrasilianischer heiliger Traditionen und ancestraler Erbes anerkannt. Ihre Arbeit dient als ein wichtiger Mahner für die Fülle und Komplexität der brasilianischen Kultur, ehrt ihre Vergangenheit und ebnet gleichzeitig den Weg für eine gerechtere und inklusivere Zukunft.


