Michael Taylor: Ein Meister der geometrischen Glasform
Michael Taylor ist ein bedeutender amerikanischer Glaskünstler, Lehrer und Dozent, dessen Werk vor allem durch seine beeindruckenden geometrischen Glasskulpturen weltweite Bekanntheit erlangt hat. Seine Technik ist von einer faszinierenden Kaltbearbeitung geprägt: Er formt, poliert und laminiert transluzente farbige sowie klare Glasblöcke mit Epoxidharz zu komplexen Strukturen, die Licht und Raum auf einzigartige Weise einfangen.
Der Weg des Michael Estes Taylor begann in Lewisburg, Tennessee, wo er bereits im Alter von 12 Jahren seine Leidenschaft für das Zeichnen entdeckte. Nach seinem Studium der Kunstpädagogik an der Middle Tennessee University in Murfreesboro und einem entscheidenden Aufenthalt an der Penland School of Crafts, wo er durch den Glaskünstler Fritz Dreisbach zur Arbeit mit Glas inspiriert wurde, entwickelte sich Taylor zu einer prägenden Kraft der zeitgenössischen Glaskunst. Seine akademische Laufbahn führte ihn über die East Tennessee University bis hin zu Studien bei Marvin Lipofsky an der University of Utah und schließlich zu einer langjährigen, einflussreichen Professur am Rochester Institute of Technology, die er 19 Jahre lang innehatte.
In den 1970er Jahren befand sich Taylor im Zentrum der aufstrebenden Studio-Glass-Bewegung. Durch Workshops in Toledo knüpfte er Kontakte zu Pionieren wie Dominick Labino und Harvey Littleton und vertiefte sein Wissen durch ein prestigeträchtiges Louis Comfort Tiffany Grant, das ihm die Arbeit in Littletons Studio in Wisconsin ermöglichte. Sein künstlerischer Geist war stets grenzüberschreitend; so lehrte er nicht nur in den USA, sondern brachte seine Expertise auch nach Japan, Mexiko und Portugal. Zu seinen Schülern zählen heute namhafte Künstler wie Jiyong Lee, Jonathan Schmuck und Sam Stark, was sein Vermächtnis als Mentor unterstreicht.
Bevor das Glas zu seinem primären Medium wurde, fand Taylors künstlerische Reise in der Keramik ihren Anfang. Seine frühen Arbeiten, wie die Serie „Analytical Perspectives“ (1965–66), konzentrierten sich auf Gefäßformen, während die Serie „Libidinous Manifest“ aus dem Jahr 1969 eine mutige Verschmelzung von organischen Keramikformen mit leuchtenden Emailfarben und psychedelischen Elementen wie Rayon-Flocking präsentierte. Doch 1969 wagte er den entscheidenden Schritt zum Glasblasen. Seine frühen „Glass Fabrication“-Serien experimentierten mit der Kombination von Glas mit industriellen Objekten wie Ösen, Floatglas und sogar Automobilprodukten wie Motoröl.
Ein Wendepunkt war seine Reise nach Skandinavien im Jahr 1974, wo er in der Johansfors Glasfabrik in Schweden die Kunst des Schneidens und Zusammensetzens klarer Glasformen perfektionierte. Diese Erfahrung prägte seine „Johansfors“-Serie und führte ihn später zu seiner „N-Sequence“ (1975–76). Dabei entdeckte er eine entscheidende technische Nuance: Da Verunreinigungen im Kalk-Natron-Glas unerwünschte Streifen in seinen Werken verursachten, die die Reinheit der Form störten, wechselte er zu Borosilikatglas – jenem hochreinen Material, das auch für Pyrex-Laborglas verwendet wird. So schuf Taylor Skulpturen von einer unvergleichlichen Klarheit und geometrischen Präzision, die den Betrachter immer wieder aufs Neue in ihren Bann ziehen.
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