Hieronymus Cock: Ein Leben in Kunst und Druckgrafik
- Name: Hieronymus Cock (auch bekannt als Hieronymus Wellens de Cock)
- Geboren: Antwerpen, Belgien, um 1518
- Gestorben: Oktober 1570, Antwerpen
- Nationalität: Flämisch
- Bekannt für: Maler, Radierer und vor allem ein Druckverleger der nördlichen Renaissance.
Frühes Leben und künstlerischer Hintergrund
- Hieronymus Cock wurde in eine Künstlerfamilie hineingeboren, die tief im pulsierenden Kunstleben von Antwerpen verwurzelt war. Sein Vater, Jan Wellens de Cock, und sein Bruder, Matthys Cock, waren beide Maler und Zeichner, die ihm schon früh Einblicke in die Welt der Kunst ermöglichten.
- Er erhielt eine formelle Ausbildung als Maler und wurde 1545 Meister der Heiligen Lukas-Gilde in Antwerpen. Diese Mitgliedschaft bezeugte seinen professionellen Stand innerhalb der künstlerischen Gemeinschaft.
- Um 1546-1547 reiste Cock nach Rom, eine Erfahrung, die wahrscheinlich seinen künstlerischen Horizont erweiterte und ihn mit der italienischen Hochrenaissance Kunst konfrontierte, die später seine Arbeit und Veröffentlichungen beeinflussen sollte.
Der Aufstieg von "Aux Quatre Vents" – Ein Verlagsimperium
- Nach seiner Rückkehr nach Antwerpen heiratete Cock 1547 Volcxken Diericx, und gemeinsam gründeten sie 1548 einen bahnbrechenden Verlag namens "Aux quatre vents" (Vier Winde) oder „In de Vier Winden“.
- Dieses Unternehmen markierte eine entscheidende Veränderung in der Druckgrafikgeschichte. Anstatt dass Künstler ihre eigenen Drucke selbst erstellten und verteilten, implementierte Cocks Werkstatt eine Arbeitsteilung, wobei spezialisierte Radierer Drucke auf Basis von Entwürfen verschiedener Künstler produzierten.
- "Aux Quatre Vents" wurde der produktivste Druckverlag nördlich der Alpen und veröffentlichte zwischen 1548 und seinem Tod im Jahr 1570 über 1.100 Drucke. Diese umfangreiche Ausgabe trug wesentlich zur Verbreitung künstlerischer Ideen in ganz Europa bei.
- Die Werkstatt veröffentlichte Werke nach Gemälden von namhaften Künstlern wie Frans Floris, Pieter Bruegel dem Älteren, Lambert Lombard, Maarten van Heemskerck und Hieronymus Bosch. Architektonische Entwürfe von Cornelis Floris und Hans Vredeman de Vries wurden ebenfalls häufig reproduziert.
Künstlerische Beiträge und bemerkenswerte Werke
- Obwohl er hauptsächlich als Verleger bekannt ist, war Cock auch ein begabter Künstler eigener Rechte. Sein künstlerisches Talent zeigt sich in seiner Serie von 12 Landschaftsradierungen aus dem Jahr 1558, die einen fantastischen Stil zeigen, der an die Gemälde seines Bruders Matthys erinnert.
- Er schuf im Laufe seiner Karriere etwa 62 Radierungen.
- Cock arbeitete mit anderen Künstlern und Designern zusammen, insbesondere mit Cornelis Floris de Vriendt, um illustrierte Bücher wie "Veelderley niewe inuentien van antycksche sepultueren" (Viele neue Erfindungen antiker Gräber) und “Veelderley veranderinghe van grotissen” (Viele Variationen von Grotesken) zu veröffentlichen, die dazu beitrugen, den Floris-Stil populär zu machen.
- Er arbeitete auch mit dem spanischen Kartografen Diego Gutiérrez an einer Karte Amerikas aus dem Jahr 1562 zusammen, was seine Beteiligung an verschiedenen künstlerischen Unternehmungen demonstriert.
Vermächtnis und historische Bedeutung
- Cocks bleibendes Vermächtnis liegt in seiner Transformation der Druckgrafik in ein Industrieunternehmen. Sein innovatives Verlagsmodell revolutionierte die Verbreitung von Kunst und Ideen in ganz Europa.
- Die von "Aux Quatre Vents" produzierten Drucke spielten eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung des italienischen Hochrenaissance-Stils in Nordeuropa und führten Werke von Künstlern wie Raphael, Primaticcio, Bronzino, Giulio Romano und Andrea del Sarto einem breiteren Publikum zu.
- Seine Veröffentlichung von Porträts namhafter niederländischer Maler im Jahr 1572 (Pictorum aliquot celebrium germaniae inferioris effigies) trug dazu bei, den Kanon der gefeierten Künstler aus der Region zu festigen. Diese Arbeit beeinflusste später die Biographien von Künstlern durch Karel van Mander.
- Philip Galle, der in Cocks Druckerei arbeitete, folgte ihm 1570 nach und setzte das Verlags-Erbe fort. Seine Witwe, Volcxken Diericx, leitete den Betrieb bis zu ihrem Tod im Jahr 1601 und sorgte so für dessen anhaltende Bedeutung.


