Hermann Ernst Freund: Leben und Werk
Frühes Leben und Ausbildung
Hermann Ernst Freund (1786–1840) war ein deutscher Bildhauer, der in Dänemark lebte und für seine bahnbrechenden Arbeiten zum nordischen Mythos sowie vor allem für den ambitionierten *Ragnarök-Friese* bekannt wurde. Er wurde in der Nähe von Bremen, Deutschland, geboren und begann zunächst als Schmied ausgebildet zu werden, bevor er sich der Welt der Kunst widmete. Er studierte an der Kunstakademie Kopenhagen, wo sein Talent schnell durchsetzungsfähig war und ihm alle vier Silber- und Goldmedaillen einbrachte.
Römische Periode und Einflüsse
Nach seinem Abschluss unternahm Freund eine zehnjährige Reise nach Rom (1810–1820). Diese Zeit erwies sich als entscheidend für seine künstlerische Entwicklung. Er wurde der engste Mitarbeiter des renommierten Bildhauers Bertel Thorvaldsen und erfuhr so wertvolle Erfahrungen und verfeinerte seine Fähigkeiten. Seine Arbeiten aus dieser Zeit, wie zum Beispiel das Marmorbüst von Bernhard Severin Ingemann (1820), zeigen eine klare Einwirkung des neoklassischen Stils von Thorvaldsen.
Nordische Mythologie umarmen
Nach seiner Rückkehr nach Dänemark zeichnete sich Freund als einer der ersten Verfechter des romantischen Nationalismus aus. Er war der erste dänische Bildhauer, der sich aktiv mit Themen aus der nordischen Mythologie auseinandersetzte und zwischen 1822 und 1829 eine Reihe von zwölf Statuetten schuf. Dazu gehörten überzeugende Darstellungen von Figuren wie Loki (1822), Odin (Bronze, 1827) und Thor (1829). Sein Ansatz verband geschickt die Pracht der antiken griechischen und römischen Mythologie mit deutlich nordischer Themenauswahl.
Wichtige Leistungen und künstlerischer Stil
- Ragnarök-Friese: Freunds Meisterwerk, ein monumentaler Fries, der die apokalyptischen Ereignisse des Ragnaröks (des Weltendes in der nordischen Mythologie) darstellt. Obwohl er posthum von Herman Wilhelm Bissen fertiggestellt wurde, nachdem er 1840 verstorben war, repräsentierte er jahrelange engagierte Arbeit. Der ursprüngliche Fries wurde jedoch bei dem Brand im Christianborg-Schloss im Jahr 1884 zerstört; ein Gipsmodell ist jedoch noch im Statens Museum für Kunst zu sehen.
- Dekoration der Kirche Unser Lieben Frauen: Freund stellte Modelle für Figuren bereit, die die Kirche Unser Lieben Frauen in Kopenhagen schmücken sollten, aber die Beauftragung ging letztendlich an Thorvaldsen.
- Künstlerischer Stil: Freunds Stil ist durch eine harmonische Verbindung von neoklassischer Präzision und romantischer Emotionalität gekennzeichnet. Seine Figuren besitzen sowohl anatomische Genauigkeit als auch ein Gefühl für dramaturgische Erzählung.
Spätere Jahre und Vermächtnis
Im Jahr 1829 wurde Freund zum Professor an der Akademie ernannt, was seine Position in der dänischen Kunstwelt festigte. Inspiriert von seinen Reisen nach Süditalien ließ er sein offizielles Haus, Materialgaard, im pompejanischen Stil dekorieren. Er betreute mehrere junge Künstler, darunter Georg Hilker, Heinrich Eddelien, Constantin Hansen und Christen Købke, die bei der Dekoration von Materialgaard auf Grundlage von Freunds Entwürfen halfen.
Historische Bedeutung
Hermann Ernst Freund spielte eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der dänischen Bildhauerkunst im Goldenen Zeitalter. Seine bahnbrechende Erforschung der nordischen Mythologie revitalisierte nicht nur die nationale künstlerische Identität, sondern schuf auch ein einzigartiges und dauerhaftes Vermächtnis. Die größte Sammlung seiner Werke befindet sich im Glyptotek in Kopenhagen, wo sie zukünftigen Generationen ermöglicht, seine Beiträge zur Kunstgeschichte zu würdigen. Er bleibt eine wichtige Figur für das Verständnis der Begegnung von Neoklassizismus, Romantik und Nationalidentität im 19. Jahrhundert dänischer Kunst.


