Frühes Leben und Ausbildung
- Geburt und Familie: Ferdinand Andri wurde am 1. März 1871 in Waidhofen an der Ybbs, Österreich, als Sohn eines Vergolders geboren.
- Lehre: Von 1884 bis 1886 absolvierte er eine Lehre beim Holzschnitzer und Altarbauer Johann Kepplinger in Ottensheim bei Linz. Diese frühe Erfahrung legte den Grundstein für seine späteren künstlerischen Bemühungen.
- Formale Ausbildung: Andri setzte seine formale Kunstausbildung an der Staatsgewerbeschule in Innsbruck fort. Er setzte sein Studium von 1886 bis 1893 an der Akademie der bildenden Künste Wien bei namhaften Lehrern wie Julius Victor Berger, Eduard von Lichtenfels und August Eisenmenger fort.
- Reisen: Er unternahm Studienreisen nach Italien, Frankreich, England und Nordamerika, erweiterte seinen künstlerischen Horizont und setzte sich vielfältigen Stilen und Einflüssen aus.
- Heirat: Im Jahr 1897 heiratete er Charlotte Hampel, eine Malerin, die acht Jahre älter war als er.
Künstlerische Karriere und Wiener Secession
- Mitgliedschaft in der Wiener Secession: Von 1899 bis 1909 war Andri ein aktives Mitglied der Wiener Secession, einer Künstlergruppe, die sich gegen akademische Traditionen auflehnte. Er war von 1905 bis 1906 ihr Präsident.
- Zusammenarbeit mit Ver Sacrum: Während seiner Zeit bei der Secession arbeitete er an *Ver Sacrum*, dem einflussreichen Jugendstilmagazin, das die innovativen Arbeiten der Gruppe präsentierte.
- Vielseitige künstlerische Betätigung: Andri war ein vielseitiger Künstler, der als Landschafts-, Genre- und Porträtmaler tätig war. Er erlangte auch Anerkennung als Lithograf und Bildhauer.
- Deutscher Werkbund: Im Jahr 1912 trat er dem Deutschen Werkbund bei, einer Organisation, die sich auf die Förderung von Handwerk und Designreform konzentrierte.
- Ablehnung an der Wiener Akademie: Trotz seines wachsenden Rufs wurde Andri 1914 von Erzherzog Franz Ferdinand für eine Professur an der Wiener Akademie abgelehnt, der moderne Kunstströmungen missbilligte.
Erster Weltkrieg und Spätere Jahre
- Kriegsmaler: Während des Ersten Weltkriegs (ab 1915) diente Andri als Kriegsmaler für das k.u.k. Kriegspressquartier und dokumentierte Szenen aus dem Konflikt an Orten wie Belgrad, Montenegro, Albanien und den Dolomiten.
- Plakatentwürfe: Er entwarf Plakate zur Unterstützung des Kinderhilfswerks und von Kriegsausstellungen und nutzte dabei seine grafischen Fähigkeiten, die er während seiner Zeit bei der Wiener Secession erworben hatte.
- Lehrstelle: Nach dem Krieg im Jahr 1918 zog Andri nach St. Pölten und erhielt schließlich eine Lehrstelle an der Wiener Akademie, wo er bis 1939 blieb.
- Politisches Engagement: Während der NS-Zeit engagierte sich Andri in der Nationalsozialistischen Deutschen Kulturgemeinschaft und wurde auf Goebbels’ „Gottbegnadeten-Liste“ wichtiger Künstler geführt. Er war auch Mitbegründer des Österreichischen Werkbundes, der sich auf die Wiederbelebung des Handwerks konzentrierte.
Vermächtnis und Museum
- Spende an St. Pölten: Im Jahr 1950 spendete Andri großzügig alle verbliebenen Werke in seinem Besitz an die Stadt St. Pölten.
- Ferdinand-Andri-Museum: Diese Spende führte zur Gründung des Ferdinand-Andri-Museums (heute Teil des Stadtmuseums), das der Präsentation seiner Kunst und der Bewahrung seines Erbes gewidmet ist.
- Tod und Beerdigung: Ferdinand Andri starb am 19. Mai 1956 in Wien und wurde in St. Pölten beigesetzt.
- Künstlerische Bedeutung: Andris Werk zeichnet sich durch seine Schlichtheit, Funktionalität und Eleganz aus. Er bleibt eine wichtige Figur der österreichischen Kunstgeschichte und stellt eine Brücke zwischen traditionellem Handwerk und modernen künstlerischen Bewegungen dar.
- Aktuelle Sammlungen: Seine Werke finden sich in verschiedenen Museen und Sammlungen, darunter die Österreichische Galerie Belvedere in Wien, das Lentos Kunstmuseum Linz und das Museum Niederösterreich.
Stil und Einflüsse
- Jugendstileinfluss: Sein frühes Werk war stark von Jugendstilprinzipien beeinflusst, was sich in seinem dekorativen Stil und der Betonung organischer Formen zeigt.
- Prinzipien der Wiener Secession: Als Mitglied der Wiener Secession übernahm Andri deren Ablehnung akademischer Kunst und das Streben nach innovativer künstlerischer Ausdrucksweise.
- Landschafts- und Genremalerei: Er war besonders bekannt für seine Landschafts- und Genremalereien, die das Leben und die Traditionen der niederösterreichischen Bauern einfingen.
- Kriegskunst: Seine Kriegsgemälde bieten eine einzigartige Perspektive auf den Konflikt und verbinden künstlerisches Können mit dokumentarischer Beobachtung.
- Insgesamt: Andris Stil entwickelte sich im Laufe seiner Karriere weiter, aber er bewies stets ein Engagement für Handwerk, Eleganz und eine tiefe Verbundenheit zur österreichischen Kultur.


