Břetislav Benda (1897–1983): Ein Bildhauer, der der weiblichen Form gewidmet war
Břetislav Benda (28. März 1897 – 19. August 1983) war ein bedeutender tschechischer Bildhauer, ein Schüler von Josef Václav Myslbek und seit 1923 Mitglied der Mánes-Union der bildenden Künste. Geboren in Sepekov, widmete sich Benda in seinen Bronzegüssen oft mit einer fast ausschließlichen Hingabe dem weiblichen Körper – er gehörte zu den wenigen Künstlern, die dieses Thema so konsequent verfolgten. Sein Œuvre umfasst zudem beeindruckende architektonische Skulpturen, darunter Innenarbeiten am Veitsdom in Prag, die Komerční banka in Náchod (in Zusammenarbeit mit dem Architekten Pavel Janák) sowie ein Relief für eine Sparkasse in České Budějovice aus dem Jahr 1935. Im Jahr 1968 beauftragte der Rat der tschechischen jüdischen Religionsgemeinschaften Benda mit der Schaffung eines Mahnmals am ehemaligen Messegelände in Prag, jenem Ort, an dem die meisten Prager Juden von den Nationalsozialisten zusammengetrieben und nach Terezín sowie weiter in andere Konzentrationslager deportiert wurden. Die dreiteilige Skulptur enthielt eine Inschrift, welche die Funktion des Gebäudes während der NS-Zeit beschrieb, doch aufgrund des staatlichen Widerstands konnte das Werk nie am ursprünglichen Ort enthüllt werden. Schließlich fand es seinen Platz in der Stadt Terezín selbst, an der Mauer der Befestigungsanlagen, nahe dem Weg zum Krematorium und dem Friedhof der jüdischen Opfer. Benda verstarb in Prag und wurde auf dem Vyšehrad-Friedhof beigesetzt.
Geboren in Líšnice, im damaligen Österreich-Ungarn (heute Tschechien), begann die künstlerische Reise von Břetislav Benda unter der Ägide von Josef Václav Myslbek und Jan Štursa an der Akademie der Bildenden Künste in Prag. Der Einfluss von Myslbek prägte ein tiefes Verständnis für klassische Form und Proportion, was das Fundament für Bendas meisterhafte Beherrschung der bildhauerischen Technik legte.
- Frühes Leben & Ausbildung: Bendas prägende Jahre waren von einer unerschütterlichen Hingabe an das künstlerische Schaffen geprägt. Durch strenges Studium und Experimentierfreude verfeinerte er seine Fähigkeiten und bereitete sich auf ein Leben voller kreativer Bestrebungen vor.
- Mánes-Union & künstlerische Einflüsse: Der Beitritt zur Mánes-Union der bildenden Künste im Jahr 1923 eröffnete Benda den Zugang zu einem lebendigen intellektuellen Umfeld und setzte ihn den Avantgarde-Bewegungen aus, welche die europäische Kunst jener Zeit formten. Diese Vereinigung förderte den Austausch und Dialog, was seine künstlerische Vision nachhaltig bereicherte.
Das skulpturale Schaffen Bendas zeichnet sich durch eine fast obsessive Beschäftigung mit der weiblichen Figur aus – eine bewusste Entscheidung, die ihn von vielen seiner Zeitgenossen unterscheidet. Er suchte nicht bloß die physische Ähnlichkeit einzufangen, sondern das Wesen der Weiblichkeit selbst, indem er Themen wie Anmut, Verletzlichkeit und Stärke erforschte.
- Fokus auf die weibliche Form: Bendas Skulpturen stellen Frauen beständig in verschiedenen Posen dar – oft nackt oder halb nackt –, wobei anatomische Details betont und emotionale Nuancen vermittelt werden. Dieser singuläre Fokus spiegelt eine tiefe Empathie für die weibliche Erfahrung und ein unermüdliches Engagement für die Darstellung von Schönheit in ihrer reinsten Form wider.
- Architektonische Skulptur: Über die figurative Bildhauerei hinaus brillierte Benda als Architekturskulptor, indem er monumentale Werke schuf, die sakrale Räume wie den Veitsdom und öffentliche Gebäude wie die Komerční banka in Náchod schmückten. Seine Kollaborationen mit Architekten wie Pavel Janák verdeutlichen seine Fähigkeit, skulpturale Elemente nahtlos in größere architektonische Entwürfe zu integrieren.
Der Auftrag für das „Terezín-Mahnmal“ steht als ergreifendes Zeugnis für Bendas künstlerisches Gewissen und sein Engagement für das historische Gedächtnis. Die Skulptur, die das ehemalige Messegelände darstellt, an dem jüdische Flüchtlinge während der NS-Besatzung inhaftiert wurden, dient als feierliche Mahnung an das erlittene Leid und die bewiesene Resilienz.
- Terezín-Mahnmal: Trotz des staatlichen Widerstands hielt Benda an der Verwirklichung dieses ehrgeizigen Projekts fest – ein kraftvolles Symbol für das jüdische Schicksal unter totalitärer Herrschaft. Die Platzierung der Skulptur in Terezín selbst unterstreicht ihre Bedeutung als Ort der Erinnerung und des Gedenkens.
Břetislav Benda verstarb 1983 friedlich in Prag und hinterließ ein bleibendes Erbe an skulpturalen Errungenschaften. Sein Werk inspiriert bis heute Künstler und Wissenschaftler gleichermaßen und festigt seinen Platz unter den bedeutendsten Bildhauern des zwanzigsten Jahrhunderts. Seine Beisetzung auf dem Vyšehrad-Friedhof symbolisiert eine endgültige Heimkehr – eine Rückkehr zur Erde, aus der er seine Inspiration schöpfte, und eine Anerkennung seines Beitrags zur tschechischen Kunstgeschichte.


