Frühes Leben und künstlerische Anfänge (1882–1920er)
- Geboren: 29. April 1882 in Quiévy, Nord, Frankreich
- Familiärer Hintergrund: Sohn eines Handwerkers.
- Ausbildung: Besuchte die École des Beaux-Arts de Lille (1899–1901).
- Frühe Einflüsse: Beschäftigte sich zunächst mit Impressionismus und Postimpressionismus. Ausgestellt im Salon der Unabhängigen 1906.
- Umzug nach Paris: Siedelte 1903 in Paris, wurde Teil der lebendigen Kunstszene.
- Fauvismus-Periode: Experimentierte kurzzeitig mit Fauvist-Stilen, bevor er den Kubismus entdeckte.
- Kubistische Erkundung: Studierte den Kubismus intensiv durch die Nähe zu Pablo Picasso und Georges Braque in den Bateau-Lavoir Studios. Produzierte um 1913 seine ersten kubistischen Gemälde.
Entwicklung der Abstraktion und wichtige Bewegungen (1920er–1940er)
- Übergang zur Abstraktion: Bereits 1917 bewegte sich Herbin hin zu totaler geometrischer Abstraktion, beeinflusst vom Konstruktivismus.
- Abstraction-Création: Mitbegründete 1931 die Gruppe *Abstraction-Création* mit Jean Hélion und Georges Vantongerloo. Diese Gruppe zielte darauf ab, nichtfigurative abstrakte Kunst zu fördern.
- Zweck von Abstraction-Création: Diente als Plattform für Künstler, die in der Abstraktion arbeiteten, und konterkarierte die Dominanz des Surrealismus in Frankreich.
- Mitgliedschaft: Die Gruppe umfasste prominente Persönlichkeiten wie Mondrian, Arp und Kupka.
- Veröffentlichung: Veröffentlichte jährlich eine Zeitschrift, um abstrakte Kunsttheorien zu verbreiten und Werke auszustellen.
- Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs: Sah sich während des Zweiten Weltkriegs aufgrund der Nazi-Besatzung Frankreichs Herausforderungen gegenüber.
- Kritik am sozialistischen Realismus: Kritisierten offen den sozialistischen Realismus und bewahrten ihre künstlerische Unabhängigkeit.
Künstlerischer Stil und theoretische Beiträge (1940er–1960er)
- "Plastisches Alphabet": Entwickelte 1946 ein kompositorisches System, das auf der Struktur von Buchstaben basiert.
- Farbtheorie: Beeinflusst von Johann von Goethes *Theorie der Farbe*, assoziierte er Farben mit menschlichen Emotionen.
- Nicht-figurative, nicht-objektive Kunst: Veröffentlichte 1949 dieses Buch, in dem er seine künstlerische Philosophie und seinen Ansatz für Farbwirkungen darlegte.
- Geometrische Struktur: Gemälde ab den 1950er Jahren zeigten konsequent ein Raster aus rechteckigen Formen, die Variationen von Kreisen, Dreiecken und Quadraten enthielten.
- Konsistente geometrische Abstraktion: Bleib seiner gesamten Karriere über der geometrischen Abstraktion treu.
Vermächtnis und historische Bedeutung
- Pionier der abstrakten Kunst: Anerkannt als eine wichtige Figur bei der Entwicklung und Förderung der abstrakten Kunst, insbesondere der geometrischen Abstraktion.
- Rolle von Abstraction-Création: Seine Führung innerhalb von *Abstraction-Création* trug wesentlich zur Weiterentwicklung der nichtfigurativen Kunst in Europa bei.
- Einfluss auf spätere Künstler: Herbins systematischer Ansatz und die Erforschung der Farbtheorie beeinflussten nachfolgende Generationen abstrakter Künstler.
- Wiederentdeckung: Erneuertes Interesse an seiner Arbeit in den 2000er Jahren, ausgelöst durch die Erstellung von signierten Teppichen auf Basis seiner Designs.
- Tod: Starb am 31. Januar 1960 in Paris und hinterließ ein unvollendetes Gemälde mit dem Titel "Fin."


