Ein Dialog mit dem Ton: Die skulpturale Welt von Anne-Marie Laureys
Anne-Marie Laureys, eine belgische Künstlerin, die 1962 in Beveren geboren wurde, verkörpert ein tiefgründiges und fortwährendes Gespräch mit dem elementaren Material Ton. Ihre Reise begann am Hoger Kunst Instituut Sint Lucas in Gent, wo aus einer ersten Begegnung eine lebenslange Hingabe erwuchs – ein tägliches Eintauchen in die taktilen Möglichkeiten der Erde. Laureys arbeitet nicht bloß mit Ton; sie spricht seine Sprache und lockt Formen hervor, die sowohl von Zerbrechlichkeit als auch von Stärke, von Verspieltheit und von tiefer emotionaler Resonanz geprägt sind.
Frühe Einflüsse und künstlerische Entwicklung
Bereits während ihres formative Studien etablierte Laureys eine einzigartige Beziehung zur Töpferscheibe. Das Drehen wurde zu weit mehr als nur einer Technik; es war ein Mittel der direkten Auseinandersetzung, eine physische Erkundung der immanenten Eigenschaften des Tons. Dieser frühe Fokus auf den Prozess legte den Grundstein für ihren unverwechselbaren skulpturalen Stil. Während viele Künstler Ton als ein Medium betrachten, das in vorgegebene Formen gepresst werden soll, umarmt Laureys dessen unvorhersehbare Natur und erlaubt es dem Material selbst, die Entwicklung jedes einzelnen Stücks zu leiten. Sie beschreibt dies als einen fortlaufenden Dialog, ein reaktionsfähiges Zusammenspiel zwischen Absicht und Zufall. Diese Bereitschaft, sich den inhärenten Qualitäten des Tons hinzugeben, ist entscheidend für das Verständnis der organischen Anmutung ihres Werkes.
Die Metapher des Gefühls: Die Erforschung von Gefäßen und darüber hinaus
Laureys’ Skulpturen sind oft in der Form des Gefäßes verwurzlement – die Schale, der Topf, der Behälter –, doch sie transzendieren den rein funktionalen Nutzen. Sie strebt nicht danach, Objekte für einen bestimmten Zweck zu schaffen; vielmehr erforscht sie das eigentliche Wesen des Innehaltens und Beinhaltens, sowohl in physischer als auch in emotionaler Hinsicht. Ihre Stücke durchlaufen häufig einen Prozess der Dekonstruktion, bei dem Ränder gedehnt, Wände geknickt und gefaltet werden, wodurch dynamische Spannungen und unerwartete Öffnungen entstehen. Diese Manipulation ist nicht willkürlich; sie ist ein bewusster Versuch, Grenzen abzubauen, Verletzlichkeit zu offenbaren und eine Innerlichkeit anzudeuten, die über die sichtbare Oberfläche hinausgeht. Wie sie selbst sagt, sind ihre Keramiken „Metaphern für das ‚Fühlen‘“.
Internationale Anerkennung und künstlerische Erfolge
Das Werk von Laureys hat bedeutende internationale Aufmerksamkeit erregt und wurde in renommierten Institutionen wie der Icheon Biennale in Südkorea sowie in Museen in Taiwan, Japan und China ausgestellt. Ein besonders bemerkenswerter Erfolg war ihre Teilnahme an der Ausstellung „Regarding George Ohr: Contemporary Ceramics in the Spirit of the Mad Potter“ im Boca Raton Museum of Art in Florida (2017-18). Diese Ausstellung reihte sie in eine Tradition innovativer Keramiker ein, die konventionelle Vorstellungen von Form und Technik herausforderten – ein Zeugnis für ihren eigenen grenzüberschreitenden Ansatz. Ihre Arbeiten befinden sich heute in zahlreichen privaten und öffentlichen Sammlungen, darunter die der Provinz Hainaut, des Design Museum Gent und sogar des Metropolitan Museum of Art in New York.
Eine fortwährende Erkundung: Bewegung, Raum und die Grenzen der Form
Derzeit lebt und arbeitet Laureys in Russeignies, Belgien, und verschiebt weiterhin die Grenzen der Keramikskulptur. Ihre jüngsten Arbeiten vertiefen sich in die Idee der Bewegung – sie verlängert Formen und verschmilzt Gefäße zu wolkenartigen Strukturen, die der Schwerkraft zu trotzen scheinen. Sie ist fasziniert vom Zusammenspiel zwischen Innen- und Außenraum und sucht danach, „das Innere zu verbergen, während das Äußere eingerahmt wird“. Diese Erkundung ist nicht bloß ästhetischer Natur; sie spiegelt eine breitere philosophische Untersuchung der Wahrnehmung, der Emotionen und der menschlichen Existenz wider. Ihre Skulpturen sind nicht einfach nur Objekte zum Betrachten, sondern Einladungen, das delikate Gleichgewicht zwischen Form und Leere, zwischen Spannung und Loslassen zu kontemplieren – ein Zeugnis ihres unermüdlichen Dialogs mit dem Ton.


